schulbasierte Ergotherapie


 

Aus ergotherapeutischer Perspektive besteht der Schulalltag aus unterschiedlichen Aktivitätsbereichen:

 

-      Arbeit/Produktivität: Teilnahme am Unterricht mit verschiedenen Lernaktivitäten

-      Freizeit: Spiel und Erholung während der Pausenzeiten, Teilnahme an Schulausflügen

-     Selbstversorgung: An-, Auskleiden in der Garderobe, Hygiene beim Toilettengang, Verpflegung        während der Pausen und Mittagsessen in der Mensa

 

Mit der geplanten flächendeckenden Entwicklung zur Ganztagsschule wird sich die Schule zunehmend neben einem Ort des Er-/Lernens auch zu einem bedeutungsvollen Ort sozialer Partizipation entwickeln. Im Schulkontext bedeutet Partizipation die aktive Teilhabe aller Kinder (mit und ohne Behinderung) an einer Vielzahl von Aktivitäten im Schulalltag. Dabei ist auch die soziale Partizipation ein zentrales Anliegen: alle Kinder sollen sich als Teil der Klassen- und Schulgemeinschaft fühlen können. Herkunft, Behinderung oder Nichtbehinderung, spezielle Fähigkeiten, körperliche oder kognitive Einschränkungen oder medizinische Diagnosen werden als Form der natürlichen Unterschiedlichkeit (Diversität) der Schüler gesehen.

 

Ergotherapeuten unterstützen je nach Bedarf die Teilhabe aller Schüler an den Aktivitäten des gesamten Schulalltags. Als Bestandteil eines Schulteams arbeiten sie in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Lehrkräften, dem Schulpersonal sowie den Eltern/Familien an bildungsrelevanten Zielen, der Partizipation des Schülers an Aktivitäten im Schulalltag und sozialer Teilhabe. Die ergotherapeutische Arbeit findet idealerweise im natürlichen Schulumfeld statt. Sie ist in den Schulalltag integriert und daher alltags- und betätigungsorientiert. Ergotherapeuten orientieren sich an den Bedürfnissen ihrer Klienten/-gruppen (Klientenzentrierung), dies kann ein Schüler, eine Schülergruppe oder auch das Lehrpersonal sein. Die Arbeit von Ergotherapeuten im Schulkontext ist durch Erfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen aus anderen Ländern belegt.

 

 

Im Schulkontext beinhaltet die ergotherapeutische Arbeit einen deutlich strukturierten Prozess aus Befunderhebung – Zielsetzung - Intervention - Evaluation. Diese strukturierte und systematische Vorgehensweise dient dazu, Alltagsprobleme von Kindern zu identifizieren, unterschiedliche Faktoren, die zu den Alltagsproblemen beitragen, herauszuarbeiten und realistische Wege zu finden, Alltagsprobleme zu verändern. Die Befunderhebung geschieht durch Beobachtung im natürlichen Umfeld (Klassenzimmer, Pausenhof, Turnhalle, usw.), durch Gespräche sowie Fragebögen und anhand gezielter ergotherapeutischer Assessments (Befunderhebungsinstrumente). Die Zielsetzung ist ein gemeinschaftlicher Prozess aller Beteiligten. Für die Intervention analysieren Ergotherapeuten die physische Umwelt (Klassenzimmer, Ausstattung, Toiletten, Pausenhof) und schulische Aktivitäten, um sie dann auf die grundlegenden Bedürfnisse eines Schülers oder einer Schülergruppe anzupassen und Barrieren zu reduzieren.

Es werden allgemeine oder spezifische Strategien, die für einzelne Kinder oder eine Gruppe von Kindern genutzt werden können, entwickelt und erprobt. Alle Interventionen sind ausgerichtet auf konkrete Schulaktivitäten, die von Schülern, Lehrkräften (Schulteam) und Eltern unter Einbezug der unterschiedlichen individuellen Bedürfnisse gemeinschaftlich identifiziert, priorisiert und als Ziel formuliert werden. Es findet eine fortlaufende Beobachtung, zielgerichtete Überprüfung und kontinuierliche Anpassung der Maßnahmen statt. Das Ziel der ergotherapeutischen Interventionen im inklusiven Schulalltag ist es, die Teilhabe des Schülers am gesamten Schulleben zu ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem, an Schulaktivitäten selbstständiger teilzunehmen, Schulabläufe und Schulregeln mit weniger oder ohne Hilfestellung umzusetzen, die Zusammenarbeit mit anderen Kindern ohne Konflikte zu ermöglichen sowie Lernaktivitäten erfolgreicher zu bewältigen und dadurch bessere Lernerfolge zu erzielen. Somit verläuft der Schulalltag entspannter und ruhiger für alle Beteiligten.